Die Kubanische Revolution

Mit der Flucht des Diktators Fulgencio Batistas am 1. Januar 1959 hatten die Revolutionäre um Fidel Castro ihren militärischen Sieg errungen. In den folgenden Jahren gelang es der Regierung einen neuen Staat nach sozialistischem Vorbild zu errichten.
Vorangegangen war dieser Errichtung ein seit 1953 andauernder Guerilla Kampf. Nach einem gescheiterten Putschversuch vom 26. Juli 1953 gelang es einer kleinen Gruppe sich im Exil als Bewegung zu organisieren. Den Guerillas um Fidel Castro gelang es nun eine soziale Bewegung hervorzubringen, die in einem einzigartigen Zusammenwirken sozialer Kräfte die Diktatur unter Fulgencio Batista stürzte und einen neuen Staat errichtete.
Der Vortrag wird sich mit den Ursprüngen, dem Verlauf und der Wirkung der Kubanischen Revolution auseinandersetzen. Im Fokus stehen dabei nicht nur Personen wie Che Guevara und Fidel Castro, sondern auch die Frage nach der Interaktion zwischen den im Hinterland agierenden Guerillas und der städtischen Bevölkerung.

Referent: Prof. Dr. Michael Zeuske (Köln)

28. Juni 2017 19 Uhr

Jügelhaus der Universität Frankfurt. Mertonstraße Hörsaal 2

17. Juni 1953 – Anfang vom Ende einer autonomen Arbeiterbewegung in der DDR?

 


Nach 1989/90 bekam auch der Arbeiteraufstand von 1953 in der DDR endgültig seine offizielle Bestimmung als historisches Ereignis, das den Wunsch der DDR-Bürger nach der deutschen Einheit schon 35 Jahre vor dem „Vollzug“ zum Ausdruck gebracht habe. Im Vortrag wird diese teleologische Geschichtsbetrachtung zurückgewiesen und demgegenüber die Offenheit geschichtlicher Prozesse – auch die um den 17. Juni 1953 – hervorgehoben. Wie kam es zum Arbeiteraufstand am 17. Juni? Wer waren die Akteure und was wollten sie erreichen? Renate Hürtgen begreift dieses Ereignis als Teil der Geschichte der Arbeiterbewegung in der DDR; eine Sichtweise, die auch manche linke Einschätzungen des Aufstandes vom 17. Juni infrage stellt.

Referentin: Renate Hürtgen

Vortrag am 4. Juli 2017 um 19 Uhr im Café KoZ (Mertonstraße 25 || Frankfurt am Main)

NS-Propaganda gegen die Arbeiterbewegung

Wie erfolgte die NS-Propaganda gegen die Arbeiterbewegung gegenüber Jugendlichen? Insbesondere dieser Frage widmet sich die Studie »NS-Propaganda gegen die Arbeiterbewegung 1933–1945«. Deutlich wird, dass einerseits gegen die Gegner des NS-Regimes gehetzt und andererseits ihre Darstellungsform imitiert wurde. Die Propaganda gegen die Arbeiterbewegung war außerdem eng mit der Judenfeindschaft verbunden – sei es, dass Juden als Anstifter der Arbeiterbewegung galten, oder dass sich die NS-Bewegung als antikapitalistisch gegen angebliches jüdisches Finanzkapital inszenierte. Den Feindbildern wurden dabei immer das nationalistische deutsche Selbstbild und die Einheit der »deutschen Volksgemeinschaft« als positiv gegenübergestellt.

In der Veranstaltung wird die Studie vorgestellt, um sie dann gemeinsam zu diskutieren.

ReferentInnen: Katharina Rhein & Benjamin Ortmeyer

 

Vortrag am 24. April 2017 um 19 Uhr im Café KoZ (Mertonstraße 25 || Frankfurt am Main)

Stalinisierung der Sowjetunion

Die Entstehung des Stalinismus

Der hundertste Jahrestag der russischen Revolution im kommenden Jahr wird zweifellos ein beherrschendes Thema geschichtspolitischer Debatten werden. Dabei wird sicher im Vordergrund die Frage nach dem Zusammenhang von Oktoberrevolution und stalinistischer Diktatur stehen. War, nach dem Bürgerkrieg und der Stabilisierung des Landes ab 1921 im Zeichen der Neuen Ökonomischen Politik, die sich ab Ende der zwanziger Jahre festigende terroristische Herrschaft Stalins von vornherein in der Revolution angelegt? War sie die logische und damit unvermeidbare Konsequenz der „krimogenen Idee“ des Gleichheitsversprechens der Revolution, wie seinerzeit Stéphane Courtois, der Herausgeber des „Schwarzbuch über den Kommunismus“ argumentierte? Doch warum gipfelte diese Herrschaft in der physischen Ausrottung der „alten bolschewistischen Garde“, also der Träger der Revolution von 1917, von der die berüchtigten Schauprozesse 1936 bis 1938 nur die öffentliche Inszenierung der Spitze des Eisbergs, des Archipel Gulags, war? Und was hat dies alles mit Sozialismus zu tun?

Wie sich konkret die Herausbildung der stalinistischen Diktatur vollzog, wie der Zusammenhang von sozioökonomischen Bedingungen, politischen Strukturen und zufälligen Faktoren war, soll umrissen werden. Zudem vollzog sich die Machtübernahme Stalins in der bolschewistischen Partei nicht in einem luftleeren Raum. Aus der bolschewistischen Herrschaft, gestützt auf die Räte (Sowjets) hatte sich die Macht einer gewaltigen Partei- und Staatsbürokratie entwickelt. Es gab zudem auch die äußeren Zwänge, denen sich die Sowjetunion gegenüber sah, in den Niederlagen der internationalen Arbeiterbewegung, die von Stalin in die „Theorie des Sozialismus in einem Lande“ gewendet wurde, woraus auch eine entsprechende Außenpolitik erfolgte, während 1917 das Selbstverständnis der Bolschewiki davon geprägt gewesen war, dass Russland alleine viel zu rückständig war, um eine sozialistische Gesellschaft zu entwickeln, sondern dafür die Zusammenarbeit mit der siegreichen Revolution in Westeuropa brauchen würde.

Referent: Reiner Tosstorff

12.12.16, 19 Uhr, Café KoZ, Mertonstraße 26

Der Spanische Bürgerkrieg

Die Hoffnung, die Solidarität, die Verzweiflung. Krieg in Spanien, 1936-39

Vom Spanischen Bürgerkrieg hat jede und jeder schon einmal etwas gehört – vielleicht George Orwells „Mein Katalonien“ gelesen – aber eine genauere Idee davon, was wie warum in Spanien zwischen 1936 und 1939 passiert ist, haben die wenigsten. Weil aber der Spanische Bürgerkrieg sowohl für die Geschichte Europas als auch die Geschichte der Linken zu wichtig ist, um ihn zu vergessen, wollen wir dieses „Vorspiel des Zweiten Weltkriegs“ und seine Folgen etwas genauer unter die Lupe nehmen: Die Zuspitzungen der sozialen und politischen Konflikte in Spanien bis zum Putsch gegen die Zweite Republik, die spontane antifaschistische Gegenwehr von Gewerkschafts- und Parteimilizen und die Unterstützung durch die Internationalen Brigaden, die soziale Revolution, die im Zuge des Bürgerkriegs stattfand, und die Konflikte zwischen Anarchist_innen und Kommunist_innen, die Unterstützung der spanischen Faschisten durch Deutschland und Italien und den Sieg General Francos, dessen Spur der Gewalt bis in die Gegenwart reicht.
Der Referent Moritz Krawinkel war 2006 das erste Mal in den Schützengräben vor Madrid und so angefixt von der allgegenwärtigen Präsenz des Bürgerkriegs und des Franquismus, dass er ein Jahr blieb und seine Abschlussarbeit über den (Nicht-)Umgang der spanischen Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit von Bürgerkrieg und Diktatur schrieb. Daraus wurden ein Buch, Seminare und Studienreisen, deren Folge auch diese Veranstaltung ist.

 

Zeit: 13. Januar 2017 19 Uhr

Ort: Café KoZ – Mertonstraße 25 Frankfurt

 

Kommunisten gegen Hitler und Stalin

Linke Opposition der KPD in der Weimarer Republik.

 

Am Ende der Weimarer Republik war die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) eine weitgehend undemokratische und bürokratische Partei, ihre politische Linie wurde aus Moskau vorgegeben. Doch das war nicht immer so. Vielmehr erlebte die KPD im Lauf der zwanziger Jahre einen fundamentalen Wandel.
Nicht alle Kommunisten ließen diesen Prozess, der als „Stalinisierung“ bezeichnet wird, widerspruchslos über sich ergehen. Auf dem linken Parteiflügel entstanden verschiedene Gruppen und Fraktionen, die sich gegen die Entdemokratisierung wehrten und für eine Rückkehr zur „alten KPD“ kämpften. Später stand der Widerstand gegen die immer stärker werdenden Nationalsozialisten im Zentrum ihrer Aktivitäten.
Die KPD-Linken hatten zeitweilig zehntausende Anhänger. Darunter befanden sich bekannte Parteimitglieder wie Ruth Fischer, Karl Korsch oder Werner Scholem. Trotzdem verloren sie den Kampf um ihre Partei – nicht zuletzt, weil ihre Kritik vielen als unaufrichtig erschien. Denn an der Entdemokratisierung der KPD hatten die Linken selbst einen wichtigen Anteil.

Anhand bislang unbekannter Quellen hat Marcel Bois erstmals eine Gesamtdarstellung der linken KPD-Opposition geschrieben. Sein Buch erschien im November 2014 unter dem Titel «Kommunisten gegen Hitler und Stalin» (Klartext-Verlag).
Marcel Bois eröffnet die nächste Etappe der Reihe Geschichte & Klasse mit seinem Vortrag über die inneren Spannungen der KPD am Ende der Weimarer Republik.

Zeit: 7. November 2016 19 Uhr.
Ort: Jügelhaus. Mertonstraße 17-21. Frankfurt.
Raum: HZ6

Die Wirtschaftspolitik der frühen Sowjetunion

23.05.2016 – 19 Uhr – Klapperfeld – Klapperfeldstraße 5 – Frankfurt

***Verlegt in die Klapperfeldstraße 5!***

Jetzt ist auch Margot Honecker tot! Damit dürfte die Anzahl derjenigen, die sich den alten Realsozialismus bolschewistischer Prägung zurückwünschen, nach und nach gegen Null gehen. Und trotzdem ist die Beschäftigung mit realsozialistischer Geschichte – und insbesondere mit der Ökonomie – heute von praktischer politischer Bedeutung.
Gerade an den ökonomischen Versuchen der frühen Sowjetunion kann man herausarbeiten
– wie schlechte ökonomische Bedingungen und eine problematische Theorietradition sich
   wechselseitig verstärken,
– wie verheerend die Kombination von Planwirtschaft und Marktelementen ist,
– dass eine Planwirtschaft ohne Rätetradition nicht funktionieren kann und
– wie eng die vorrevolutionäre Praxis und die längerfristigen Ergebnisse einer
   Kapitalismus überwindenden Revolution zusammenhängen.
Referent: Rüdiger Mats

Alexandra Kollontai und die Familie im Sozialismus

10.05.2016 – 19 Uhr – Café KoZ – Mertonstraße 25 – Frankfurt

In dem Beitrag setzt sich die Referentin Felicita Reuschling mit Alexandra Kollontais Thesen zur Politik der Familie im Kommunismus auseinander, die sich programmatisch an Engels und Bebel orientierten und das Absterben der Familie propagierten. Für die frühe Phase ihrer erfolgreichen feministischen Familienpolitik wird deutlich, wie stark die gesamte Vorstellung von einer zukünftigen kommunistischen Familie, von dem Konzept einer „gesellschaftlichen Industrie“ geprägt war. Bekanntlich sind aber im Folgenden weder der sozialistische Staat, noch die Familie „abgestorben“, sondern in einen autoritären Staatskapitalismus transformiert worden. Die vielfältigen Diskussionen über Geschlechterverhältnisse und Lebensformen wurden nach dem Motto der „Festigung der Familie“ beendet und das utopische Potential politisch still gestellt.

Felicita Reuschling (Kulturproduzentin, Autorin und Mitglied des HerausgeberInnen-Kollektivs kitchen politics, Berlin)

Die Russische Revolution 1917

18.04.2016 – 19 Uhr – Café KoZ – Mertonstraße 25 – Frankfurt

 

„Brot, Land, Frieden“ und „Alle Macht den Sowjets!“ – das waren die Forderungen, unter denen sich im November 1917 (nach julianischem Kalender im Oktober) die Machtergreifung der Bolschewiki vollzog. Nachdem im März (bzw. Februar) eine demokratische Umwälzung die Monarchie des Zaren gestürzt hatte, hatte die daraus entstandene „Provisorische Regierung“ nur zögernd – wenn überhaupt – Reformen eingeleitet, weder die Fortsetzung des Kriegs aufgegeben noch die für das Agrarland entscheidende Landfrage in Angriff genommen. Die Masse der Arbeiter, Bauern und Soldaten radikalisierte sich und wandte sich der radikalen Linken zu, die angesichts des Unwillens der bürgerlich-sozialdemokratischen Regierung einen sozialistischen Ausweg forderte. Deren stärkste Kraft stellten die Bolschewiki dar, die sich bald Kommunisten nennen sollten. Was waren nun die Bewegkräfte der Revolution gegen das letzte faktisch absolutistische Regime in Europa, in dem es nur einen „Scheinkonstitutionalismus“ gab? Welche Rolle spielte der Weltkrieg, in dem das russische Reich nur wenige Monate nach seinem Beginn nur noch Niederlagen kannte? Wie sind für die Entwicklung der Revolution strukturelle Ursachen wie der Landhunger der Bauern und die Unterdrückung der nicht-russischen Nationalitäten in dem Vielvölkerstaat zu bewerten? Welchen Anteil hatte die Arbeiterklasse in einem Land, das nur auf einige Gebiete konzentrierte Industrie kannte? Und wie prägte all das das Regime, das sich im Herbst / Winter 1917/18 als „erster sozialistischer Staat“ mit dem Anspruch, im Gefolge der Pariser Kommune zu stehen, etablieren sollte?

Referent: Reiner Tosstorff

Ursprünge der „Rätebewegung“

09.11.2015 – 19 Uhr – Café KoZ – Mertonstraße 25 – Frankfurt

„Alle Macht den Räten!“ Mit dieser Parole übernahmen die Bolschewiki im Oktober 1917 die Gewalt in Russland. Bereits im November 1918 veranlasste Lenin per Dekret, dass künftig Entscheidungen der Arbeiter- und Soldatenräte annulliert werden konnten. Man versuchte die Räte der zentralen Kontrolle zu unterwerfen, was im Zuge der Konsolidierung der Sowjetunion nach den Wirren des Bürgerkrieg schließlich auch gelang.
Neben den „Sowjets“ wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts u.a. in Ungarn, der Slowakei, dem Iran und Deutschland verschiedene Formen von „Rätestrukturen“ praktisch erprobt. Aber was sind überhaupt „Räte“? Was ist die Theorie und Praxis der sogenannten Rätebewegung? Was ist ihr theorie- und sozialgeschichtlicher Hintergrund?

Nach den Ereignissen der Pariser Kommune 1871 entstand eine rätekommunistische Strömung, die mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts an Einfluss gewann. Sie bezog sich auf Marx‘ Frühschriften und wandte sich gegen die tendenzielle Verstaatlichung des Marxismus in Sozialdemokratie und Bolschewismus. Der Referent Christian Frings wird über die sozial- und theoriegeschichtliche Bedeutung dieser Bewegung referieren.